PHILOSOPHIE

Die Wege zur Philosophie sind unendlich viele. Zu ihr gelangt man in der Tat  von jeder wissenschaftlichen Frage aus, wenn man sie nur genügend weit verfolgt.

Moritz Schlick

Grüsse aus dem Metaphysik-Tutorium

Wittgenstein

Der Titel wirft, zumindest für einige von euch, ein bis zwei Fragen auf.

1) Was ist Metaphysik?

2) Was ist ein Tutorium?

Bis zum Ende dieses Blogposts werden hoffentlich beide Fragen einigermassen befriedigend beantwortet sein, wobei die zweite bedeutend einfacher zu beantworten ist: Ein Tutorium ist eine Ergänzung vieler Vorlesungen an der Universität. Tutorien gibt es in den meisten Fächern, obwohl sie meines Wissens in den Geisteswissenschaft verbreiteter sind. In der Vorlesung erzählen Dozentinnen und Dozenten lauter schlaues Zeug, das man versteht oder vielleicht auch nicht versteht. Wenn man es nicht versteht, kann man natürlich fragen. Aber da Vorlesungen oft gut besucht und die Zeit knapp ist, hebt man sich die Fragen vielleicht besser bis zum Tutorium auf. Dort geht es darum, den Stoff nochmal zu besprechen, unter Umständen in Form von kurzen Vorträgen oder ergänzender Lektüre, mit Hilfe eines Studenten oder einer Studentin, der oder die bereits im Master ist oder zumindest den Kurs bereits erfolgreich absolviert hat. Die Anwesenheit ist oft obligatorisch.

Vor kurzem sass ich in so einem Tutorium, nämlich jenem zur Einführung in die Metaphysik, und lauschte einer Diskussion darüber, ob man sich etwas vorstellen kann, was zwar dreieckig ist, aber nicht dreiwinklig. Ich persönlich kann es nicht, und bin beeindruckt von der Vorstellungskraft derer, die es könnnen. Nächste Woche findet in der Metaphysik eine Zwischenprüfung statt, weswegen sich mein Leben dieser Tage nur noch um die - in den ersten paar Semesterwochen schmählich vernachlässigten - Fragen über das Sein dreht. "Fragen über das Sein" klingt esoterisch und erhaben, ein erster Eindruck, an den ich mich zu erinnern versuche, während ich mich durch einen nicht enden wollenden Text über Tropen kämpfe. Nein, nicht die Tropen wo es regnet und viele giftige Frösche hat. Tropen sind hier was anderes, obwohl ich zugeben muss, dass ich auch noch nicht so genau weiss, was.

Was ich besser weiss, ist, was Metaphysik ist - oder zumindest eine mögliche Antwort, denn wie so oft in der Philosophie herrscht auch darüber keine Einigkeit. Im Verlaufe der Geschichte wurde Metaphysik immer wieder anders verstanden. Zum ersten Mal tauchte sowas wie Metaphysik bei Aristoteles auf. Der wollte herausfinden, was die "ersten Ursachen" sind - hier kommt Gott ins Spiel. Aber es ging ihm auch darum, herauszufinden, was es gibt. Welches sind die grundlegenden Kategorien, die existieren, in welche die Dinge eingeteilt werden können? Kant wagte zu bezweifeln, dass es Sinn macht, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, da wir auf die Dinge gar keinen Zugriff hätten. Laut Kant tragen wir alle eine Art Brille, wir sehen die Welt durch einen Filter und legen unsere eigenen Strukturen auf die Dinge. Sogar Zeit und Raum sind "nur" Kategorien, welche wir auf die Welt projizieren. Wir können unsere Wahrnehmungen nicht von diesem inneren Filter trennen, wir können die Dinge niemals so wahrnehmen, wie sie in ihrer grundlegendsten Form sind. Kant sieht den Sinn seiner Metaphysik eher darin, diese Kategorien unseres Geistes zu erforschen.

Allerdings sind nicht alle mit Kant einverstanden - es wird immer noch fleissig Metaphysik im Nicht-Kantschen Sinne betrieben und im Philosophiestudium hat man früher oder später damit zu tun.

Wie sieht das konkret aus? Bis jetzt haben wir uns im Kurs vor allem zwei grundlegende Positionen angeschaut: Den Realismus und den Nominalismus. Realisten glauben, dass es zwei fundamentale Kategorien von Dingen gibt: Die Universalien und die Einzeldinge. Einzeldinge, das sind die ganz normalen Gegenständ, denen man so über den Weg läuft: Teller, Menschen, Zitronen. Universalien sind abstrakter: "Gelbheit" zum Beispiel, also die Farbe gelb, als Konzept. Oder "Weisheit". Oder "Rundheit". Eigentlich ist es ganz intuitiv, zu denken, dass es diese "Universalien" gibt. Schliesslich sagen wir ja Sätze wie: "Diese Zitrone ist gelb" oder "Sokrates ist weise", und wir meinen damit wirklich etwas. Diese Sätze sind wahr, und wie könnten sie das sein, wenn "gelb" und "weise" gar nichts hätten, worauf sie sich beziehen könnten? Sokrates war ein Mensch, man konnte ihn sehen und mit ihm sprechen, und wenn ich sage "Sokrates" dann will ich mit diesem Wort auf dieses konkrete Ding deuten, auf den Menschen Sokrates. Wenn ich nun sage "Sokrates ist weise", dann stelle ich, so die Realisten, eine Verbindung her zwischen dem Ding namens Sokrates und der Universalie namens Weisheit. Genauer gesagt, ich sage, dass es etwas gibt namens Weisheit, und dass Sokrates ein Beispiel dafür ist, ein Ding, in dem sich die Weisheit wiederspiegelt. Es gibt aber nicht nur ein solches Ding, sondern viele: Kant ist auch weise, und meine Mutter, und mein Philosophielehrer. Sie alle sind Einzeldinge, die die Universalie der Weisheit "exemplifizieren".

Die Gegenposition dazu, den Nominalismus, werde ich angesichts der Länge dieses Blogposts nicht im Detail erläutern. Kurz gesagt: Die Nominalisten finden die Universalien unnötig und sind mit Einzeldingen allein zufrieden. Sie finden, dass eine grundlegende Kategorie ausreicht, um alles zu erkären, was die Realisten erklären. Wie sie das genau tun, erfahrt ihr wenn ihr Philosophie studiert... oder ihr könnt mich fragen. Oder, naja, es gibt immer noch Google. Oder... gibt es Google???

Botanik - (unerwartet) spannend
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