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"Was machst du eigentlich während deinem Studium?" ist eine Frage, die jeder Student kennt. Hier geben wir dir die Antwort, damit du Einblicke in die verschiedenen Studiengänge erhälst.

Ich sollte jetzt gerade lesen, statt diesen Blogpost zu schreiben

Lesen

Philosoph müsste man sein! Da sitzt man sicher den ganzen Tag in einem charmanten Café, schmökert in dicken Büchern und denkt über den Sinn des Lebens nach.

Naja. Während ich dies schreibe, schlürfe ich zwar tatsächlich Kaffee. Allerdings aus einem Pappbecher, inmitten des… sagen wir mal: «industrial chic» der Mensa. Für schwarze Rollkragenpullis ist es noch zu warm, und wenn ich hier fertig bin, warten auf mich auch keine dicken Bücher, sondern mein Tablet mit Pdfs und Scans von Artikeln und Kapitel, die die Dozentinnen und Dozenten zum Download zur Verfügung gestellt haben (und die ich mit der für diese Zwecke empfehlenswerten App Mendeley ordne und auf verschiedenen Geräten synchronisiere). Aber ob digital oder analog, der Stereotyp stimmt, was das Lesen betrifft. Es gibt in der Philosophie so viel zu lesen: Artikel aus Fachzeitschriften, tausendseitige Klassiker mit nicht enden wollenden Sätzen, welche die Philosophie für immer verändert haben, dreiseitige Essays, welche die Philosophie ebenfalls verändert haben, Texte über andere Wissenschaften, über welche die Philosophie auch etwas zu sagen hat, die Hausarbeit der Kollegin, zu der man noch ein Feedback geben sollte, die eigene Hausarbeit, die man noch überarbeiten sollte.

Im Bachelorstudium machen Texte für Proseminare einen grossen Teil der Leseliste aus. Ein Proseminar ist eine Lehrveranstaltung mit einem etwas engeren Thema, als in einer Einführungsveranstaltung (z.B.: «Das Tötungsverbot in der Ethik» statt «Ethik» oder «Die Politeia von Platon» statt «Antike Philosophie»), über welches man in fast jeder der 14 Semesterwochen einen oder mehrere Texte liest (meisten im Bereich von 15 bis 40 Seiten). Diese werden dann in der Sitzung zusammen besprochen. So kann es vorkommen, dass bei mehreren Seminaren die Zeit nicht immer für alles reicht. «Hast du den Text gelesen?», fragen die Sitznachbarn einander immer mal wieder zu Beginn einer Seminarsitzung - und manchmal lautet die Antwort «Ich auch nicht», oder «So halb» oder «Die Einleitung und Konklusion schon…» So durch ein Seminar zu kommen, ist zwar möglich, aber supoptimal für alle Beteiligten. Man weiss nie so recht, worum es eigentlich geht, man traut sich keine Fragen zu stellen, weil die Antwort ja vielleicht im Text war, oder man führt die Diskussion mit Halbwissen auf Abwege und am Ende des Semesters hat man keinen Plan, worüber man eigentlich die 10 bis 15-seitige Hausarbeit schreiben will. Um dies zu vermeiden, habe ich in meinen ersten Semestern alle Texte für ein ganzes Seminar schon in den ersten paar Semesterwochen gelesen – sofern es nicht eins der Seminare war, in denen der Seminarplan fortwährend angepasst wird und der Text jeweils erst ein paar Tage vor der Sitzung im Online-System der Uni auftaucht. Dann hatte ich zwar ein gutes Gewissen, wusste aber schon in der Mitte des Semesters nicht mehr, was in den Texten eigentlich drinstand. Irgendwie geniesse ich eine Serie auch weniger, wenn ich sie in einer Nacht binge, statt jede Woche eine Folge zu schauen...

Sich jede Woche Zeit zu nehmen, um die Texte zu lesen, ist ein essentieller Bestandteil des Philosophiestudiums. Die meisten philosophischen Texte kann man nicht einfach so nebenbei lesen, im Bus auf dem Weg zum Seminar.  Das heisst, man kann schon, aber es bringt nichts. Der Reiz am schwierigen Texten liegt darin, sie zu durchdringen. Manchmal muss ich die Argumente in eine andere Struktur bringen, um sie nachzuvollziehen, manchmal muss ich die Sätze dreimal lesen oder Begriffe nachschlagen (was in eine stundenlange Recherche im Wikipedia der Philosophie ausarten kann, bis ich irgendwann bei einem Thema ankomme, welches seltsam genug ist, um mich aus meiner Trance zu reissen). Aber wenn etwas nach langem Nachdenken Sinn macht, wenn ich beeindruckt bin von dem was ich lese, weil ich eingesehen habe, wie clever die Argumentation ist, oder wenn ich einen Schwachpunkt gefunden habe, an dem ich einen ganzen Essay aufhängen kann... das macht einfach Spass, so ein bisschen wie wenn das Sudoku endlich aufgeht.

 

 

Das Altbekannte mit neuen Augen betrachtet
Wieviele ECTS brauche ich, um Weisheit zu erlangen...

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Dienstag, 16. Oktober 2018
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