BIO

Das Altbekannte mit neuen Augen betrachtet

 

Montag – der erste Tag meines dritten Semesters im Biologiestudium an der Universität Zürich.
Da meine erste Vorlesung heute um 13 Uhr begann, fuhr ich erst gegen Mittag zum Campus Irchel. Als ich den Lichthof betrat, strömten mir eine Menge Studenten entgegen.
Während ich mich durch die Masse hindurchzuschlängeln versuchte, schnappte ich einige Gesprächsfetzen auf. «Es ist jetzt schon viel mehr, als wir in der Schule in einer Woche durchgenommen haben» - «Ich habe gehört, die Prüfung muss schlimm sein.» - «Wo haben wir morgen die Chemie-Vorlesung?»
Das konnten nur Erstsemester sein, die gerade aus ihren ersten Vorlesungen kamen.
Ich erinnerte mich noch gut an meinen eigenen ersten Tag im Studium. Die Uni war mir wie ein fremder Planet erschienen: Es gab überall viel zu viele Menschen, unter denen man sich neue Kollegen suchen sollte, und der Campus war mir viel zu gross erschienen, um sich jemals darauf zurechtzufinden. Entsprechend nervös war ich auch an meinem ersten Tag.

Als ich heute zur Uni fuhr, überwog die Vorfreude. Ich freute mich darauf, mein zweites Studienjahr in Angriff nehmen zu können. Hatte ich vor einem Jahr an meinem ersten Morgen etwas ratlos den richtigen Hörsaal gesucht und mir währenddem überlegt, wer von den anderen Studierenden sympathisch aussah, ging ich heute zielstrebig zum Hörsaal, in dem die Vorlesungen heute Nachmittag stattfanden, und schrieb meiner Kollegin eine Nachricht, wo sie mich finden würde.

Während man sich im ersten Jahr des Biologiestudiums v.a. mit Grundlagen auseinandersetzt – beispielsweise Zellbiologie, Genetik, Evolution, Mathematik und einer Menge Chemie – werden die Fächer des zweiten Jahrs bereits merklich spezifischer. Biologiestudierende erhalten zudem die Möglichkeit, neben den Pflichtfächern auch Nebenfächer oder Wahlpflichtfächer zu belegen. Darum besuche ich dieses Semester Vorlesungen in Anatomie und Physiologie sowie in Biomedizin. Zu meinen Pflichtfächern gehören Botanik, Mikrobiologie, Anthropologie sowie Programmieren.

Heute, in der ersten Vorlesung über Physiologie, begannen wir mit den Grundlagen der Zellbiologie, besonders mit dem Aufbau und der Funktion der verschiedenen Organellen. Dies entsprach im Wesentlichen einer Kurzzusammenfassung des Stoffs, den wir in den ersten paar Vorlesungen im Zellbiologie – Kurs des ersten Semesters behandelt hatten.
Im ersten Semester war mir die Funktion und der Aufbau z.B. des Endoplasmatischen Retikulums oder des Golgi – Apparats noch etwas rätselhaft vorgekommen, ebenso der Ablauf der zahllosen Prozesse, die in jedem Moment in einer Zelle ablaufen. Ich konnte mir damals noch nicht richtig vorstellen, wie das alles zusammenspielen sollte, um eine Zelle zum Funktionieren zu bringen. Es ist alles so klein, wie sollte man sich das überhaupt vorstellen? Die Konzepte und Prozesse schienen losgelöst zu sein von allem, was wir aus dem Alltag kannten.

Nun, da wir uns dieselben Themen nach einem Jahr noch einmal anschauten, wurde mir einiges klarer. Dank des zusammenfassenden Überblicks in der Physiologie – Vorlesung konnte ich nun auch besser erkennen, welche Aspekte besonders wichtig waren, und verlor mich nicht mehr in den Details. 
In dieser Vorlesung lernten wir also nicht wirklich etwas grundlegend Neues, sondern schauten uns das Altbekannte in neuem Kontext an. In diesem neuen Kontext sah das, was wir bereits als «bekannt» / «langweilig» abgestempelt hatten, wieder ganz anders aus: Es wurde greifbarer, welche Bedeutung die Prozesse, die wir vor einem Jahr gelernt hatten, für die Funktion unseres Körpers haben. Mit diesem neuen Wissen im Hinterkopf sieht die Welt wieder ein wenig anders aus.  

Chaos zum Semesterstart
Wieviele ECTS brauche ich, um Weisheit zu erlangen...
 

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Mittwoch, 19. Dezember 2018
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