ASTRO - PHYSIK

Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

Bachelorarbeit: Tipps und Rückblick

BA Bachelorarbeit

Rückblickend meine Tipps zum erfolgreichen Schreiben einer BA:

  • Planung: Überlege dir im Voraus wie viel Zeit du brauchst und wann hast. Bedenke, dass Dozenten vielleicht auch mal nicht am selben Tag antworten und man auf Ergebnisse oder Rückmeldungen warten muss. Dies schliesst auch die Themenwahl ein!
  • Themenwahl: Nimm ein Thema das dich interessiert! Niemand will sich 600 Stunden mit etwas langweiligem beschäftigen!
  • Bearbeitung: Nutze die Werkzeuge, die du bereits kennst. Klar ist dies auch eine super Gelegenheit sich etwas Neues anzueignen (LaTeX zum Beispiel). Dann plane aber genügend Reserven ein für das Lösen technischer Probleme. Wenn du jemanden in der Hinterhand hast, der dir aus der Patsche helfen kann, ist das Gold wert!
  • Bleibe in Kontakt mit deinem Dozenten. Vereinbart monatliche Treffen, so arbeitest du nicht an seinen Vorstellungen vorbei. Immerhin vergibt er am Ende die Note, auch wenn es deine Arbeit ist.
  • Fleiss: Die Arbeit schreibt sich nicht von selbst. Vergeude keine Zeit, verschiebe nichts auf später, Probleme, die Zeit kosten, kommen von selbst irgendwann. Besser diese treten Monate vor Abgabe auf, als Stunden vorher.

Damit ist zwar noch keine erfolgreiche oder angenehme Bearbeitung deines Themas garantiert, aber viel Erfolg wünsche ich dir allemal!


Die Bachelorarbeit (BA) ist in einigen Studiengängen die erste (grosse) schriftliche / wissenschaftliche Arbeit. Dies trifft nicht auf alle Studiengänge zu. So schreiben die Juristen in Bern keine solche Arbeit, sondern bearbeiten einen Fall und haben hierfür auch nur 3 Wochen Zeit. In St. Gallen wiederum schreibt man wohl bereits im ersten Jahr (Assessment) mehr und umfangreichere Arbeiten als anderswo als Bachelor-Arbeit verlangt wird (dafür meistens in Gruppen). Im Physik-Studium in Bern schreibt man abgesehen von Labor-Berichten keine Arbeiten während des Bachelors. Die BA ist somit die erste wissenschaftliche Arbeit, die man verfasst. Diese kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Manche führen Versuche im Labor durch. Andere Programmieren eine Analysewerkzeug für eine Forschungsgruppe oder werten deren Daten aus. Andere versuchen sich an rein theoretischen Konstrukten. Ich hielt mich an letzteres, doch dazu in späteren Beiträgen mehr.

Mit der Themenwahl habe ich mich bereits im vorangehenden Semester beschäftigt. Ich wusste, dass ich etwas im Bereich theoretische Astrophysik machen wollte oder Kosmologie. Ich habe mal die üblichen Verdächten (Professoren) abgeklappert, um ihre Bereitschaft eine solche Arbeit zu betreuen zu prüfen. Normalerweise wird die BA im Frühlingssemester (FS) geschrieben. Für mich erwies sich aber das Herbstsemester (HS) als praktischer, da ich im betreffenden HS nicht mehr allzu viele Kurse zu belegen hatte und ich so sogar noch etwas Spatzung nach hinten, ins nachfolgende FS, hatte; für den Fall der Fälle! Ich fand nun einen Dozenten, welcher sich bereit erklärte, meine Arbeit im HS zu betreuen. Dieser stellte mir 6 Themen zur Auswahl. Zwei davon sprachen mich auf Anhieb an. Beide diskutierte ich mit dem Dozenten, um zu eruieren, was er denn genau erwartete. Das eine Thema erschien mir einfacher zu bearbeiten, das andere aber spannender. Da ich mich immerhin ein ganzes Semester intensiv mit dieser Arbeit zu beschäftigen hatte, wählte ich das für mich spannendere Thema. Der Entscheid für Thema und Dozent fiel also noch im FS.

Mit der eigentlichen Arbeit begann ich dann pünktlich auf Beginn des HS. Nebst meiner BA hatte ich auch noch einen weiteren Labor-Kurs zu absolvieren und einige Vorlesungen zu besuchen. Die Vorlesungen besuchte ich alle, liess also trotz knapper zeitlicher Ressourcen nichts aus. Für den Labor-Kurs wendete ich jeweils 2-4 Tage pro Woche auf. Übungen für die Vorlesungen kosteten mich einen weiteren Tag. Dann arbeitete ich jeweils 1-2 Tage pro Woche. Für die eigentliche BA bliebt also nicht so viel Zeit, wie ich es gerne gehabt hätte. Dennoch reichte die Zeit aus, die Arbeit während des Semesters zu verfassen. Meist begann ich meinen Tag um 7 Uhr morgens. In der ersten Hälfte des Semesters gönnte ich mir noch dreimal wöchentlich zwei Stunden Sport, doch ich merkte, dass ich diese sechs Stunden pro Woche brauchte, um vor Weihnachten mit allem fertig zu werden, was mein ursprünglicher Plan war. Den Tag hindurch machte ich abgesehen von den Mahlzeiten keine wirklichen Pausen und Feierabend war gleichbedeutend mit Schlafengehen. Es war also ein ziemlich stressiges Semester, alles in allem, dennoch versuchte ich auch die eine oder andere Freizeitaktivität irgendwo unterzubringen.

Ich strukturierte mein Semester so, dass ich Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen auf die Prüfungsphase legte, das heisst, ich habe die Vorlesungen zwar besucht, aber mich sonst nicht mit dem Stoff befasst, ausser für die Übungsserien. Beim Laborkurs hätte ich rückblickend etwas weniger pingelig sein können, so halste ich mir doch immer etwas aufwändige Fehlerrechnungen auf, wo eine grobe Abschätzung allenfalls auch gereicht hätte. Aber wenn es um das Schreiben von Arbeiten und Auswerten von Daten geht werde ich immer etwas perfektionistisch…

Bei der eigentlichen BA bin ich dem Rat meines Dozenten gefolgt:

«Es ist immer gut, schon gleich etwas zu schreiben».

 

Mit dem lesen der ersten Quelle zum Thema begann ich auch schon meine Arbeit zu verfassen, überlegte mir eine Struktur, Themen, die ich abdecken wollte, Ziele, die ich erreichen wollte. Diese entwickelten sich zwar im Laufe der Arbeit weiter, doch einen Text umzustrukturieren und etwas zu überarbeiten war wohl dennoch einfacher, als aus einem riesigen Berg Literatur im Nachhinein einen neuen Text zu schreiben. Zu guter Letzt hatte ich immerhin um die hundert Quellen. Mit meinem Dozenten traf ich mich monatlich, um eine Rückmeldung zum aktuellen Stand zu erhalten. So wusste ich zumindest immer, dass ich mich in die richtige Richtung bewegte und auch woran ich noch arbeiten sollte. Dies erachtete ich als sehr wertvoll und empfehle dies gerne weiter.

Wie bereits erwähnt hatte ich eine umfassende Literaturliste, von 100 Jahre alten Texten von Schrödinger oder Maxwell zu aktueller Forschung, die erst wenige Wochen alt war. Um nicht den Überblick zu verlieren, nutzte ich das Literaturverwaltungsprogramm Zotero. Damit konnte ich jeweils gleich die ganze Liste als BibTeX exportieren, hatte also eine einzige handliche Datei, welche ich meinem LaTeX-Dokument hinzufügen konnte, sodass ich alles mit einfachen Befehlen zitieren konnte.

Um Literatur zu finden nutzte ich die Suchmaschinen der Bibliothek, arXiv und hangelte mich von Paper zu Paper. Auch wenn ein Paper nicht voll und ganz zu meinem Thema passte, so fand ich doch oft passende Literatur in dessen Quellen. In der Bibliothek meiner Universität fand ich vor allen Dingen Lehrbücher und Sammelbände von Konferenzen. Im Internet vorrangig Paper. Zur Abrundung besuchte ich noch einen Vortrag, welcher ziemlich genau einen Aspekt meiner Arbeit betraf. So hatte ich auch Ergebnisse zu zitieren, die selbst noch gar nicht publiziert waren. Aktualität war so also gegeben.

Die Arbeit selbst schrieb ich auf overleaf, dies ist eine online Plattform zum Verfassen von LaTeX-Dokumenten. LaTeX bedarf zwar etwas mehr Einarbeitungszeit als vielleicht Word, dafür hat man aber auch viele Annehmlichkeiten, wenn man es erst einmal gemeistert hat. Allen voran wohl die einfache Handhabbarkeit von Formeln und Kontrolle über deren Darstellung. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sein Dokument gut in einzelne Dateien unterteilen kann, z.B. Kapitel-weise. Bei Word müsste ich allenfalls 40 Seiten hoch und wieder runter scrollen, wenn ich Textabschnitte aus weit auseinanderliegenden Kapiteln vergleichen will. Bei LaTeX brauche ich nur die andere Datei zu öffnen und kann so beliebig hin und her wechseln, ohne zu scrollen. LaTeX beherrschte ich allerdings bereits vor meiner BA ausreichend, so dass ich mich darauf verlassen konnte, damit klar zu kommen.

Ich stützte mich also auf Methoden, die ich kannte und beherrschte und war in ständigem Kontakt mit meinem Dozenten. Es war wohl eines meiner stressigsten Semester, doch ich habe mein Ziel erreicht und meine Arbeit vor Weihnachten eingereicht. Der Aufwand hat sich also am Ende gelohnt. Bei der Arbeit selbst habe ich ein super spannendes Thema kennengelernt und wohl so viel gelernt wie sonst kaum während einem Semester.

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